Seit dem Wintersemester 2017/18 können Studierende der Leibniz Universität Hannover die Vorlesung „Legal Tech“ besuchen. Doch welche Themen sollte ein solcher Kurs eigentlich behandeln?

Das habe ich mich während der Vorbereitung auf die Veranstaltung und beim Aufbau meiner Präsentationsfolien auch gefragt. Vorlagen oder Arbeitsunterlagen auf die man dabei zurückgreifen kann? – Fehlanzeige.

Sicher, die Bucerius Law School ist schon länger Vorreiter auf dem Gebiet der universitären Legal Tech Ausbildung. Allerdings herrschen dort Rahmenbedingen, über die Hannover nicht verfügt. Wie man auch mit weniger Mitteln eine Legal Tech Veranstaltung aufzieht, darüber habe ich mich mit Jan-Henrik Busch und Philipp Neumer vom Legal Tech Lab Frankfurt und erst kürzlich mit Henrik von Wehrs ausgetauscht (die Goethe-Universität Frankfurt startet in diesem Semester eine Legal Tech Veranstaltung). Auch im Kontakt mit der Legal Tech Szene bin ich stets auf eine offene, gesprächsbereite und um Unterstützung bemühte Branche gestoßen.

Natürlich sind Kursinhalt und -aufbau vom eingeräumten Lehrstundenumfang abhängig. Damit die Studierenden die Anwendungspotentiale von Legal Tech und seine Auswirkungen auf das Rechtssystem allerdings tatsächlich beurteilen können, wird im Rahmen der Veranstaltung in Hannover nicht nur theoretisch über das Thema gesprochen. Die Teilnehmer sollen selbst auch eigene, kleinere Legal-Tech-Anwendung entwickeln bzw. sich praktisch an einer computergestützten Texterkennung und Datenanalyse versuchen. Das ist in diesem Umfang allerdings nur mit einem Lehrauftrag über 28 Einzelstunden möglich, was einer wöchentlichen Veranstaltung entspricht.

Aus meiner Sicht macht es dabei Sinn, die Teilnehmer überhaupt erst für das Thema zu sensibilisieren. In meiner „Legal Tech Einführung“ habe ich deshalb einen Überblick über die Legal Tech Landschaft in Deutschland gegeben (und gehe teilweise mit Ravel Law, Lex Machina, ALM Intelligence sowie legalzoom und RocketLawyer darüber hinaus).

Dabei habe ich die unterschiedlichen Geschäftsmodelle von C2L-Plattformen wie 123recht.net, advocado und anwalt.de vorgestellt, genau wie smartlaw oder die Unternehmen flightright, myRight und rightmart (kommt bei den Studierenden besonders gut an). Den Kundennutzen dieser Firmen erkennen die Studierenden meist sehr schnell. Es folgen Legal-Process-Outsourcing-Anwendungen wie edicted. und Xenion. Aus dem Bereich E-Discovery habe ich Leverton ausgewählt.

Sehr interessiert sind die Teilnehmer an den „Auswirkungen auf die Rechtsbranche“, speziell auf die der Anwaltschaft. Sowieso kann man ehrlich interessierte und aufgeweckte Studierende in der Veranstaltung erwarten. Thematisch bietet es sich an, in diesem Block auch auf die Vereinbarkeit von Legal Tech mit dem RDG und auf die Überlegungen um eine Regulierung der Branche einzugehen.

In diesem Semester habe ich mit den Studierenden bereits über die Notwendigkeit des „Legal Design Thinking“ und den (gehemmten) Zugang zum Recht gesprochen. Dabei haben wir uns auch die Arbeitsmethodik des Lean StartUp und die Struktur des Business Model Canvas angeschaut. In der kommenden Woche startet die „Einführung: Blockchain und Smart Contracts“.

In Kooperation mit Prime Legal werden die Studierenden zudem die Möglichkeit erhalten, hinter die Kulissen von IBM Watson zu gucken [Informationen folgen]. Sofern dann noch Zeit übrig sein sollte, habe ich Folien über das Thema „Digitalisierung der Justiz“ vorbereitet.

Abschließend kann ich nur sagen, dass mir persönlich der Austausch mit den unterschiedlichen Teilnehmer/innen großen Spaß macht. Zur Digitalisierung hat jeder eine Meinung, weshalb sich jeder einbringen kann und schnell lebhafte Debatten entstehen. So entsteht eine Atmosphäre, die mit einer klassischen Vorlesung nicht vergleichbar ist. Der einzige Wermutstropfen ist nur, dass einen die innovative Branche dazu zwingt, seine Folien laufend zu aktualisieren. Ganz klar, die Digitalisierung hat nicht nur Vorteile.

News vom Legal Tech Inkubator Hannover